Internationaler Verband der Tarifeure


Erweiterte Präsidiumssitzung 2014 in Beograd

 

Am 04.10.2014 fand in Beograd (Serbien) eine erweiterte Präsidiumssitzung des Internationalen Verbandes der Tarifeure (IVT) statt. Bei herrlichem Wetter versammelten sich über 50 Transportspezialisten aus 6 Ländern im Hotel Holiday Inn, wobei der Vormittag einem anspruchsvollen Fachprogramm gewidmet war. Die Tagung wurde von der Präsidentin des Serbischen Tarifeurvereins (UTS), DI Dr. Dragana Macura und dessen Ehrenpräsidenten Mirko Anderlic sowie dem Präsidenten des IVT Hon. Prof. Dr. Kurt Spera eröffnet. Dem folgte die Begrüßung durch den Stv. Minister für Bauwesen, Transport und Infrastruktur, Miodrag Jocic MSc, an die Teilnehmer, in der er auch auf die Situation des Eisenbahnverkehrs in der Serbischen Republik einging.

 

Im Laufe des Vormittags kam eine Reihe von Fachvorträgen zu aktuellen Problemstellungen des europäischen Eisenbahngüterverkehrs zur Erörterung. Den Anfang machte Cesare Brand, Generalsekretär des Internationalen Eisenbahntransportkomitees (CIT), mit einer Schilderung der entstandenen Situation nach der kürzlich abgehaltenen Revision des Übereinkommens über den internationalen Eisenbahnverkehr (COTIF), bei der die erstmalige aktive Beteiligung der EU Kommission zu erheblichen Unsicherheiten und Unklarheiten im Verfahren geführt hat. Es wurden diesem Rahmen die technischen Anhänge des COTIF angenommen, hingegen wurden wesentliche juristische Fragestellungen in den Anlagen B (CIM) und E (CUI) nicht behandelt, sondern letztlich einer Arbeitsgruppe des Generalsekretärs der OTIF zugewiesen. In dessen Folge wurde auch die Annahme der Regelung des elektronischen Frachtbriefs zur CIM verzögert und Anregungen des IVT sowie die Anträge einzelner Staaten haben keine Akzeptanz erfahren.

 

Prof. Dr. Branislav Boskovic, von der Fakultät für Transport und Verkehrswesen der Universität Belgrad, referierte über neue Entwicklungen bei der Infrastrukturbereitstellung der serbischen Eisenbahnen. Die EU-Gesetzgebung im Eisenbahnbereich hat ein ganz neues System von Behörden und Regulierungsstellen geschaffen, die öffentliche Funktionen wie die Ausgabe von Genehmigungen und Ausstellung von Sicherheitsbescheinigungen wahrnehmen, wobei zahlreiche Fragen offen bleiben.

 

Ass. Prof. Dr. Hans-Joachim Schramm vom Institut für Transportwirtschaft und Logistik der Wirtschaftsuniversität Wien setzte sich anschließend mit den Ergebnissen einer kürzlich abgeschlossenen Studie im Auftrag der Joint-Working-Group UIC-OSShD auseinander, die mit der aktuellen Situation und Entwicklungspotentialen der automatischen Spurwechseltechnologien (ASWT) im Schienenverkehr zwischen Europäischer Normalspur (1435 mm) und Russischer (1520 mm) bzw. Iberischer (1638 mm) Breitspur befasst.. Die Ergebnisse der Marktstudie zeigen klar auf, dass viele Praktiker Vorbehalte gegen die ASWT haben, da die gegenwärtige zu langsame Abfertigung an den Grenzstellen einen möglichen Zeitvorteil beim Wechsel von der einen auf die andere Spurbreite zunichtemacht. Dennoch dürfte der Einsatz der ASWT sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr an den hochfrequentierten Grenzübergängen in Brest (PL-BY) und Chop (HU/SK-UA) vielversprechend sein, da mittel- bis langfristig ein steigendes Transportvolumen zu erwarten ist. Insgesamt scheint die Einsatzmöglichkeit von ASWT dennoch begrenzt zu sein, da eine Befragung potentieller Nutzergruppen ergabt, dass sie mit einem Zeitvorteil von mehr als 15% der Gesamttransportdauer, bei einer maximalen Steigerung der Gesamttransportkosten um 10% verbunden sein muss, was wiederum lediglich bei Transporten auf kurzen bis mittleren Distanzen der Fall ist.

 

Den Abschluss der interessanten Ausführungen konnte Frau Dr. Mirjana Bugarinovic, ebenfalls von der Fakultät für Transport und Verkehrswesen der Universität Belgrad in Anspruch nehmen. Ihre Präsentation einer Untersuchung zum Thema Gestaltung eines einheitlicheren Infrastrukturbenutzungsentgelts (IBE) im Europäischen Rahmen erfordert Aufmerksamkeit. Ein direkter Vergleich der IBE europäischer Eisenbahninfrastrukturbetreiber zeigt deutlich deren unstrukturierte und unsystematische Vorgehensweise bei der Preisbildung im nationalen Rahmen auf, was in der Folge zu erheblichen Unsicherheiten bei der Kostengestaltung auf Seiten der Benutzer führt. So wird in der Konsequenz eine einheitliche Berechnungsformel gefordert.

 

Der Nachmittag war der eigentlichen Präsidiumssitzung des IVT und damit den verbandsinternen Herausforderungen gewidmet Diese fand unter Beteiligung von Branka Nedeljkovic, Leiterin der Abteilung für Regulierungsangelegenheiten, Direktion der Eisenbahnen der Republik Serbien, Beograd statt. Neben der Berichterstattung des Präsidenten Hon. Prof. Dr. Kurt Spera, des Generalsekretärs Ass. Prof. Dr. Hans-Joachim Schramm und der Rechnungsprüferin Dkfm. Jeanette Kockrow wurden DI Dr. Dragana Macura und Mirko Andrlic das silberne Verbandabzeichen des IVT für deren Verdienste überreicht. Ebenso ist Dr. Gustav Kafka, Stv. Generalsekretär der OTIF a.D. einstimmig zum Vizepräsidenten des IVT gewählt worden. In der anschließenden Präsentation über die Vorbereitung und den Verlauf der Arbeiten des Revisionsausschusses der OTIF gab Dr. Kafka der Hoffnung Ausdruck, dass sich hinsichtlich einer Wiederholung des mageren Ergebnisses der vergangenen Revisionskonferenz des COTIF und angesichts der unklaren weiteren Vorgangsweise zwangsläufig ergebende Befürchtungen des IVT nicht erfüllen mögen.

 

Im weiteren Rahmenprogramm fand eine Exkursion zur Baustelle des zukünftigen Belgrader Hauptbahnhofs im Stadtteil Prokop statt, der ein wesentlicher Bestandteil der Neugestaltung des Belgrader Eisenbahnknotens in Verantwortung der Planungsgesellschaft Institute of Transportation CIP Ltd, mit dem Ziel einer getrennten Führung von Personen- und Güterschienenverkehr im Großraum Belgrad, werden soll. Sowohl die Planungsgesellschaft als auch der UTS feiern ihr dieser Tage ihr 40–jähriges Bestehen, was als ein besonderes Ereignis betrachtet werden kann zu dem wir herzlich gratulieren.

 

Echo in der Presse

 

In der einschlägigen Fachpresse wurde ebenfalls über die Veranstaltung in Beograd berichtet siehe:

 

Zeitschrift Verkehr Nr.42/2014 vom 17.10.2014 auf S.10 

Internationale Transport-Zeitschrift Nr. 43-44/2014 auf S.19

Hinweis: Die drei Beiträge können direkt durch Klicken auf das entsprechende Bild heruntergeladen werden.