Internationaler Verband der Tarifeure


Erweiterte Präsidiumssitzung 2017 in Košice

 

In diesem Jahr fand am 8./9. September 2017 die erweiterte Präsidiumssitzung (EPS) des IVT in Košice, der zweitgrößten Stadt der Slowakischen Republik statt. Nach Ankunft der Teilnehmer und Bezug der Hotelzimmer begann die Sitzung mit der Begrüßung durch Herrn Dipl. Ing. Peter Sorger der die - Anwesenden in Košice, der Kulturhauptstadt Europas 2013 und - nach der Ansicht von vielen - schönsten Stadt des Landes herzlich willkommen hieß.

Im Anschluss daran berichtete der Präsident des IVT, Hon. Prof. Dr. Kurt Spera über das abgelaufene Verbandsjahr und hielt einen tief empfundenen Nachruf für den verstorbenen Ehrenpräsidenten des Serbischen Vereins Mirko Andrlic, dem ob seiner freundlichen und stets hilfsbereiten Art ein bleibendes Erinnern zuteilwerden sollte. In weiterer Folge seiner Ausführungen kam der Redner auf die Möglichkeiten zu sprechen, die sich durch einen künftigen Ausbau der Breitspurstrecke über die Slowakische Republik bis nach Wien ergeben könnten, womit ein riesiges Eisenbahnnetz seine Anbindung an Europa fände. Weiters erwähnte er die für den Verband durch die Auflösung der Logotrans, den Verkauf des Hauses Europaplatz 1 seitens der ÖBB an IKEA und die damit erforderliche Räumung des dortigen Büros entstandenen Schwierigkeiten. Es war demnach ein schwerer Weg, bis wir das neue Büro in 1040 Wien, Gußhausstraße  19/19 besiedeln konnten, was auch mit erheblichen Kosten verbunden war. So konnte trotz den vielschichtigen Hindernissen die Verbandsarbeit weitergeführt werden, jedoch haben sich in der Vorbereitung der EPS in Košice, was die Teilnahme anbelangt, erhebliche Mängel gezeigt, die in der Zukunft vermieden werden müssten.

Anschließend sprach der Generalsekretär Dr. Hans-Joachim Schramm über die Mitgliederbewegung sowie über die Homepage des Verbandes, wobei hier insbesondere die durch die diversen Firmenfusionen bedingten Mitgliedereinbußen sowie das Ausscheiden aus sonstigen Gründen Berücksichtigung finden sollen. Ebenso wird bei der Homepage festgestellt, dass aktuelle Nachrichten rascher den Weg zu den Mitgliedern finden sollen.

Da die Schatzmeisterin aus beruflichen Gründen nicht an der Sitzung in Košice teilnehmen konnte, wurde der Finanzbericht sowie der Bericht der Rechnungsprüfer von Kollegin Mag. Kerstin Hernler vorgetragen, in deren Ausführungen von einer gewissenhaften Kassengebarung und einer sorgsamen Verwendung des Verbandsvermögens die Rede war. Jedenfalls schlug sie der EPS die Entlastung des Präsidiums vor, die einstimmig angenommen wurde.

Im weiteren Verlauf der Tagesordnung wurde Herrn Dipl. Ing. Peter Sorger die Ehrenmitgliedschaft unseres Verbandes verliehen, was er in bewegten Worten zur Kenntnis genommen hat.

Es folgten die im Rahmen der Erweiterten Präsidiumssitzung vorgesehenen Vorträge von Vizepräsident Dr. Gustav Kafka, Dipl.-Ing. Miroslav Hopta, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender, Direktor des Bereichs Betrieb ZSSK Cargo, Frau Dipl. Ing. Dana Fedorikova, Abteilungsleiterin für Beförderungsvorschriften, sowie Generalsekretär des Internationalen Eisenbahntransportkomitees (CIT), Cesare Brand. Letzter hielt einen viel beachteten Vortrag über die eisenbahnseitige Seidenstraße, als einen künftigen maßgeblichen Verkehrsweg von Fernost nach Europa, alle Präsentationen finden sich im Detail in der weiteren Folge dieser Homepage. Es ist jedenfalls sehr schade, dass viele unserer Mitglieder nicht in der Lage waren, an dieser wichtigen Tagung in Košice teilzunehmen, was sicherlich ihr nachträgliches Bedauern finden wird. 

 

Der zweite Reisetag war wie üblich einer Fachexkursion gewidmet, die diesmal an den Grenzbahnhof Čierna nad Tisou (ungarisch Tiszacsernyő, deutsch Schwarzau an der Theiß) führte, der einen historischen Moment Ende Juli 1968 erlebte, als die Führer des Prager Frühlings sich dort mit den Herren des Kremls trafen und man glaubte, dass der Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in die damalige CSSR noch abgewendet werden könnte.

Čierna nad Tisou ist der slowakische Grenzübergangs- bzw. Frachtberechnungspunkt der Slowakischen Republik zum ukrainischen Chop. In Čierna nad Tisou werden für die Transporte in Richtung Slowakei und darüber hinaus die durch den Frachtrechtwechsel von SMGS in das CIM-Frachtrecht notwendigen CIM-Eisenbahnfrachtbriefe erstellt. Bei Importsendungen findet in Čierna nad Tisou der Umschlag aus den 1520mm Breitspurwagen in europäische Wagen der Spurweite 1435mm statt. In Čierna nad Tisou kann zudem direkt vom LKW in Breitspurwagen und umgekehrt geladen werden.

Mittlerweile hat der Bahnhof, an welchem die Teilnehmenden von Herrn Dipl. Ing. Szabolcs Nagy, Leiter der Abteilung Umladung, willkommen geheißen wurden, vor allem eisenbahntechnisch erheblich an Bedeutung gewonnen, wofür gewaltige Investitionen getätigt wurden. Diese betrafen insbesondere Anlagen, die den Übergang der Ladungen von Güterwagen des Breitspurnetzes 1520mm auf solche der europäischen Spur 1435mm erleichtern und beschleunigen. Am eindrucksvollsten war die Anlage, in welcher in insgesamt weniger als einer Minute pro Wagen eine Umleerung des Inhalts von Schüttgutwagen durch Kippen des ganzen Wagens um 175° erfolgt. Der ganze automatische Vorgang wird nur von einer Person am Bildschirm überwacht. Ebenfalls sehr modern ist die Anlage für die ihrerseits weitgehend automatische Umladung flüssiger Ladegüter zwischen Eisenbahnkesselwagen im geschlossenen System (Flüssig- und Gasphase).

Die Exkursion fand einen stilvollen Abschluss in einer gemütlichen Landgaststätte, in der die Teilnehmenden mit guter regionaler Küche verköstigt wurden. Es besteht kein Zweifel, dass die diesjährige EPS, wenn nicht in Bezug auf die Zahl der Teilnehmenden so doch in Bezug auf die gebotenen Vorträge, Besichtigungen und Informationen ein voller Erfolg war. Die Wahl von Košice als Tagungsort war somit gerechtfertigt, zumal die Bedeutung der Region und namentlich des Grenzbahnhofs Čierna nad Tisou als Einfallstor im eurasischen Eisenbahnverkehr künftig weiter steigen könnte.

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