Internationaler Verband der Tarifeure


Professor Alexander Freud - Mensch und Werk

 

Mit der Feier des hundertjährigen Bestandes des Internationalen Verbandes der Tarifeure (IVT) in Triest wurde auch einer Persönlichkeit gedacht, der das Verkehrswesen vom seinerzeitigen Österreich-Ungarn und damit auch dessen Eisenbahnen Hauptaufgabe seiner damit verbundenen Befassung gewesen ist. Die Rede ist von Prof. Alexander Freud, dem jüngeren Bruder des Vaters der Psychoanalyse Sigmund Freud, auch wenn er an dessen weltweiten Bekanntheitsgrad, nicht herankam. 1866 in einer Großfamilie geboren, wuchs er als ein mittelmäßiger Schüler heran, bei dem aber bald ein Hang zum Journalismus zum Durchbruch kam. So trat er in jungen Jahren in die Redaktion des ATA (Allgemeinen Tarif- und Schifffahrtsanzeiger) ein, den er dann übernahm und mit dem ihm zu eigenem Geschick ausgebaut hat. Er bewies sich in der Folge als profunder Vortragender an der k. und k. Exportakademie wo er eine Professur erlangte. Im Zuge seiner Lehrtätigkeit befasste er sich mit Fragen der Handelspolitik und der Eisenbahntariflehre, wobei zwei bedeutende Werke seiner Feder entstammten. Es waren dies ein Eisenbahn-Stationsverzeichnis mit einer Eisenbahn und Post Communications-Karte  von 1897, wo er auch seine Fähigkeiten als Verkehrsgeograf beweisen konnte. Die zweite nicht minder bedeutende Publikation, die sich mit dem Thema „Die Eisenbahntarife in ihren Beziehungen zur Handelspolitik“ beschäftigt, verfasste er gemeinsam mit Sektionsrat Dr. Ernst Seidler. Dieses bedeutende Buch erhielt den Ehrenpreis der Deutschen Bahnen. 1902 wurde er in Ansehung seiner Verdienste als Experte für Tariffragen im Dienste der Öffentlichkeit zum kaiserlichen Rat bestellt. Im Zuge seiner Reisen hat er im Jahre 1911 in Triest der damaligen Seehandelsmetropole die Initialzündung zur Gründung des Internationalen Verbandes der Tarifeure gesetzt, dem dann neben dem Verein der Tarifeure Wien auch eine Reihe weiterer nationaler Vereine folgten. Auch standen zwei Tarifeurkongresse, 1930 in Wien und 1937 in Prag, unter seiner Leitung. Die damit angestrebte Entwicklung des Tarifwesens wurde 1938 mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich jäh unterbunden, der Verlag des ATA wurde arisiert und nach Hamburg verlagert. Freud musste nahezu völlig mittellos Österreich verlassen und verstarb 1943 im kanadischen Exil in Toronto. Mit einem bedeutenden Symposium wurde 1993 des große Sohnes Wiens gedacht und am ehemaligen Wohnhaus von Prof. Alexander Freud in der Unteren Viaduktgasse 55 im Dritten Wiener Gemeindebezirk eine Gedenktafel enthüllt. Der IVT ist sich der Verpflichtung bewusst die Lehren von Prof. Freud zu aktualisieren und in eine europäische Verkehrspolitik zu übertragen.