Internationaler Verband der Tarifeure


Deutsche Übersetzung SMGS 2011

 

Folgende Rezension erschien in der Zeitschrift für den internationalen Eisenbahnverkehr 4/2011:

 

Abkommen über den internationalen Eisenbahn-Güterverkehr SMGS, Neuauflage mit den Änderungen und Ergänzungen nach dem Stand vom 1. September 2011, unverbindliche, herausgegeben und vertrieben von Logotrans, Logistik- und Transport-Consult GmbH, Wien, 248 Seiten, 125.- EUR

 

Das seit 1. November 1951 gültige, seinerzeit von den Eisenbahnverwaltungen im Rahmen der Organisation für die Zusammenarbeit der Eisenbahnen (OSShD) gewissermaßen als „planwirtschaftlicher Gegenentwurf“ zur von Tendenzen zur Entstaatlichung und Marktliberalisierung beeinflussten CIM ausgearbeitete „Abkommen über den internationalen Eisenbahn-Güterverkehr (SMGS)“ unterliegt einem Prozess von alljährlich beratenen und beschlossenen Änderungen. Obwohl nur einem Teil dieser Änderungen eine bedeutende Tragweite zukommt, haben die Unterschiede zur zuletzt im Jahre 2004 veröffentlichten Fassung (Besprechung in Zeitschrift Nr. 1/2004, S. 27/28) in Summe und in einzelnen Inhalten ein so erhebliches Ausmaß erreicht, dass die vorliegende Neuausgabe geboten erschien. Das Interesse an einer aktuellen Ausgabe des SMGS in deutscher Sprache besteht dabei umso mehr, als seit dem Erlöschen der Mitgliedschaft der DDR, durch die Wiedervereinigung Deutschlands, Deutsch nicht mehr zu den Arbeitssprachen der OSShD gehört und es daher lediglich eine russische und eine chinesische offizielle Fassung des SMGS gibt. Als für die Verkehre CIM/SMGS wichtig können insbesondere Änderungen in folgenden Bereichen angesehen werden:

 

  • Anwendung des Einheitlichen Frachtbriefes CIM/SMGS,
  • Bestimmungen betreffend die Tatbestandsaufnahme,
  • Beförderung von das Lademaß überschreitenden Gütern, Containern und Ladeeinheiten,
  • Vorschriften über die Verladung und sichere Befestigung bei Zügen, die Kraftfahrzeuge befördern,
  • Besonderheiten der Umladung in Wagen anderer Spurweite,
  • neue Verzeichnisse der für die Abfertigung von bestimmten Containertypen geöffneten Bahnhöfe sowie aktuelle Muster des SMGS-Frachtbriefs und der Wagennachweisung.

Spera, Kurt (2011) Handel und Transport

 

Eine Rezension von Gustav Kafka (OTIF) 

aus Zeitschrift für den internationalen Eisenbahnverkehr Nr. 2/2011

 

Es ist fast ein Jahrzehnt her, dass der Autor ein Handbuch mit diesem Titel und Inhalt veröffentlichte (s. Zeitschrift 4/2002, S. 101). Die weitere Entwicklung der globalen Wirtschaftsbeziehungen, die Neufassung der als Auslegungshilfe bei Verträgen im internationalen Warenhandel verwendbaren INCOTERMS und die Neuerungen im internationalen Kauf- und Beförderungsrecht haben ihn nunmehr zur Herausgabe der vor-liegenden erheblich erweiterten und nunmehr 700 Seiten umfassenden neuen Auflage des Werkes veranlasst. Das Werk richtet sich an alle, die mit Problemen von Warenlieferungen im Export und Import befasst, als Logistikdienstleister, sei es in der Spedition oder im Beförderungsgeschäft oder bei Versicherern oder Banken einschlägig tätig sind, aber auch an Studierende und Lehrende dieses Bereichs. Ein wesentliches Kapitel ist den „Lieferbeziehungen im Außenhandel" gewidmet, wobei die INCOTERMS 2010 im Mittelpunkt stehen. Die praktische Umsetzung der Pflichten von Verkäufer und Käufer wird in einer „Checklist" veranschaulicht. Darüber hinaus werden die einzelnen Incoterms-Klauseln eingehend erläutert, wobei insbesondere die Verknüpfung mit dem Trans-port eine eingehende Behandlung erfährt. Hinweise auf die UN-Kaufrechtskonvention (CISG 1980) sowie deren Wirkung auf oft im Glauben an das allein geltende Landesrecht geschlossene Handelsgeschäfte zeigen, dass die Qualitätserhaltung von zu liefernden Erzeugnissen eine vorrangige Bedeutung erlangt. Ausführungen über den Spediteur und seine vielschichtigen Aufgaben vom Transportmittler bis zum Gesamtbeförderer sind von langjähriger beruflicher Erfahrung gekennzeichnet, die auch hinsichtlich der Erläuterung der Spediteurdokumente und deren Handhabung zur Geltung gelangt. Einen erheblichen Raum nimmt im Weiteren die Erörterung der Leistungsbedingungen der einzelnen Beförderer ein. Damit finden die Rechtsbeziehungen des Schienenverkehrs, der Straße, der Binnen- sowie Seeschifffahrt, samt dem Transport mit Luftfahrzeugen eine umfassende Darstellung. Die erheblich differenzierten Grundlagen der Eisenbahnbeförderung im Güterbereich drücken sich – im Lichte der Eisenbahnliberalisierung - vor allem im COTIF und den ER CIM 1999 auf der einen Seite und im SMGS auf der anderen Seite aus. Beleuchtet wird auch die Rechtssituation in der Binnenschifffahrt (CMNI), im Seeverkehr mit der Differenzierung zwischen Haager-, Hamburger und Rotterdamer Regeln und im Luftverkehr. Erfasst sind auch der „Multimodale Gütertransport“ unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Ladeeinheiten, die Tätigkeit der Betreiber von Transportterminals (OTT), die Beschreibung von Sonderverkehrsarten und die Transportversicherung. Ein reichhaltiger Anhang mit einer Haftungsübersicht, Texten von Abkommen, anderen für einschlägige Tätigkeiten relevanten Regelungen sowie weiteren Hinweisen und ein als Fundstelle dienendes Abkürzungsverzeichnis komplettieren das Werk und machen es zu einem wertvollen Ratgeber für alle an Handel und Transport Interessierten.

 

(ISBN 3-901472-03-2, logotrans, Wien, 2011)

 

Dr. Gustav Kafka ■

Spera, Kurt: Ein Leben in zwei Jahrhunderten

 

Buchbesprechung aus Zeitschrift für den internationalen Eisenbahnverkehr Nr.1/2011:

 

Die vorliegenden Erinnerungen [ISBN 3-901472-05-1, logo-trans, Wien] des conseiller honoraire der OTIF und international renommierten Transportrechtlers Hon. Prof. Dr. Kurt Spera, welche die nicht unbeträchtliche Zeitspanne von 1928 bis 2010 umfassen, bilden nicht nur das Panorama seines bewegten Lebens ab, das auch für jene, die ihn gut zu kennen glauben, neue interessante Facetten offenbart, sondern beleuchten auch viele wichtige Phasen der Entwicklung des internationalen Eisenbahnrechts einschliesslich der vom Zentralamt (OCTI) bzw. der OTIF betreuten Bereiche. Obwohl er besonders in seiner Kindheit und Jugend Opfer von Verfolgung und Misshandlung gewesen war und Anlass zu Verbitterung und Rachsucht gehabt hätte, war Spera zeitlebens in erster Linie darauf bedacht, was alle Menschen verbindet und darum bemüht, Trennendes zu überwinden. So gesehen war seine Tätigkeit, die stets ein besonderes Schwergewicht auf die Annäherung der Verkehrs- und Rechtssysteme von Ost und West legte, letztlich eine Ausformung seines ideellen Konzepts. Es ist selten, dass ein Vertreter dieser Rechtssparte auch persönliche Beweggründe und Gefühle, wie sie besonders in der den Erinnerungen angefügten Sammlung eigener Gedichte zum Ausdruck kommen, in solch eindrücklicher Weise offenlegt. Möge Speras Buch somit seinen Lesern neben interessanten Fakten auch einen Ansporn vermitteln, sich wie er dem wahrnehmbaren Trend zum persönlichen und nationalen Egoismus und der leider keine Sparte verschonenden Verrohung entgegen zu stemmen.

 

Dr. Gustav Kafka ■