Internationaler Verband der Tarifeure


Das Gedenkjahr 2018

 

(Wien im Februar 2018)

 

Das bereits begonnene Jahr 2018 hat für Österreich eine besondere Bedeutung, da es eine mehrfache Zäsur seiner Geschichte mit sich bringt. So wurde vor genau hundert Jahren mit Beendigung des ersten Weltkrieges und dem Zerfall der „Habsburger Monarchie“ mit der Ausrufung der ersten Republik eine neue Ära für das Land eingeläutet, deren Entstehung keineswegs unumstritten war.

So waren die Einen bestrebt, dem Beispiel der russischen Revolution folgend eine Räterepublik zu bilden, die Anderen aber, mit dem Negativbeispiel, Österreich sei nicht lebensfähig, den Anschluss an Deutschland suchend. So war auch der gewählte Name für das Land „Deutschösterreich“ bezeichnend, dem die damaligen Alliierten ihre Zustimmung versagt haben. Die Nachkriegsjahre waren von Hunger, Elend und Not sowie einer erheblichen Arbeitslosigkeit gekennzeichnet, an denen die wechselvollen Regierungen nichts geändert haben. Lediglich im „Roten Wien“ waren die Verhältnisse etwas besser, da hier die Stadtverwaltung mit ihren Sozialprojekten eine den Feinden dieser Entwicklung entgegenstehende Vorbildwirkung ins Leben rief. Was mit großen Erwartungen begonnen hat, wurde Schritt für Schritt zum Negativen verändert und die Ereignisse dieser Zeit widerspiegeln eine wechselvolle, keineswegs zum Guten neigende, Politik. So hat das Skandalurteil gegen die Schattendorfer Mörder den Brand des Justizpalastes ausgelöst, bei dem durch brutalen Polizeieinsatz an die 100 Todesopfer zu beklagen waren. Dann war es von der Weltwirtschaftskrise 1929 bis zur Errichtung des Ständestaates, die mit der Ausschaltung des Parlaments und dem Verbot jeglicher Arbeiterorganisationen den Anfang genommen hat, nur mehr ein kurzer Weg.

Dieser gipfelte letztlich in die Machtergreifung Hitlers und in den damit erfolgenden gewaltsamen Anschluss Österreichs an Nazideutschland. Ein triumphaler Einzug Adolf Hitlers mit der „Heimholung ins Reich“ folgte und zwei Millionen Menschen jubelten dem „Führer“ zu. Damit begann die systematische Verfolgung von Juden und Andersdenkenden in großem Stil, die mit den Pogromen sowie Niederbrennen der Synagogen, Vertreibung, Entrechtung und Vernichtung von Millionen Menschen ihren Fortgang nahm. Auch der beginnende zweite Weltkrieg hat furchtbares Leid über die Menschen gebracht, die an den Fronten, den Bomben oder in KZ und Zwangsarbeit zu Tode gekommen sind. Die Vorstellung vom „totalen Krieg“ und einem stetig brutaler werdenden Überwachungsstaat konnte erst durch die fortgesetzten Siege der alliierten Armeen mit der anschließenden Befreiung von der Naziherrschaft ein Ende finden.

Mit der mühevollen Beseitigung der Zerstörungen des zweiten Weltkrieges wuchs die Hoffnung auf ein Leben in Frieden und Freiheit. In der Folge waren es junge Menschen, vor allem Studenten, die 1968 mehr vom Dasein gefordert haben und gegen das Establishment mit lautstarken Protesten auf die Straße gingen.So konnte die Jugend ein nahezu weltweites Einlenken der Regierenden erreichen und neue Lebensformen bewirken, mit denen letztlich das Antlitz der Welt verändert wurde. Bedauerlicherweise fällt auch in diese Periode der Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die Tschechoslowakei. Mit diesem wurde der mit großer Begeisterung begonnene „Prager Frühling“ beendet und die Doktrin von der beschränkten Souveränität der sozialistischen Staaten durch Breschnew ausgerufen.

In Schlussbetrachtung dieser Ausführungen muss gesagt werden, dass alle bisher für Österreich erreichten Errungenschaften auf dem Spiel stehen. Dies sollte die heute Regierenden zum vordringlichen Nachdenken veranlassen, ob der von ihnen eingeschlagene Weg der richtige für das Land ist.